5 Fragen an: Andreas Nusko, Geschäftsführer der Franz & Wach Personalservice GmbH

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15 Dez, 2020

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Mit mehr als 2.000 Mitarbeiter:innen in derzeit 25 Niederlassungen gehört die Franz und Wach Personalservice GmbH zu den 30 größten Anbietern für Personaldienstleistung in Deutschland.

Andreas Nusko, der 2004 als Personaldisponent bei Franz & Wach gestartet und seit 2015 mit der Geschäftsführung betraut ist, sieht Kundennähe, Mitarbeitermotivation und maßgeschneiderte Dienstleistungen als entscheidende Erfolgsfaktoren in der Zeitarbeit.

Welchen Stellenwert dabei klare Prozesse, ein kluges Recruitment, kompetente Beratung und ein durchdachtes Personalmanagement haben, erklärt uns der studierte Betriebswirt im Interview.

Guten Tag Herr Nusko, Sie haben innerhalb der letzten Jahre zahlreiche Auszeichnungen für Ihr innovatives Führungsmodell erhalten. Wodurch zeichnet sich Ihr Führungsstil konkret aus und inwiefern führen Sie den Unternehmenserfolg darauf zurück?

Wir haben vor einigen Jahren unser Führungsmodell auf den Kopf gestellt. Vorgaben im Sinne eines Mikromanagements und die Konzentration auf die Erfüllung mehr oder weniger spekulativ erstellter Individualziele für Niederlassungen haben wir abgeschafft. Gleichzeitig haben wir unser Führungsmodell umgestellt auf Vertrauen und Empowerment. Wir haben somit die Entscheidungskompetenzen von oben nach unten verlagert und zahlreiche Freiheiten eingeführt. So setzen sich die Mitarbeiter:innen nicht nur ihre persönlichen Ziele selbst, sondern sie haben auch viel mehr Verhandlungsspielraum als zuvor und planen den Ressourceneinsatz völlig selbstständig.

Entscheidend für den Unternehmenserfolg ist, dass sich die Mitarbeiter:innen nun stärker einbringen und ihren Erfolg selbst gestalten können.

Dazu gehören auch Vertrauensarbeitszeit und unbeschränkter Urlaub. Die planerischen Vorgaben haben wir durch Handlungsprinzipien und Unternehmenswerte ersetzt. Somit führen wir jetzt von innen heraus und nehmen alle Mitarbeiter:innen mit. Entscheidend für den Unternehmenserfolg ist, dass sich die Mitarbeiter:innen nun stärker einbringen und ihren Erfolg selbst gestalten können. Das fördert die intrinsische Motivation und steigert die Ergebnisse. Hierdurch rücken der Kunde und die Belegschaft noch stärker in den Mittelpunkt. Und der neue Führungsstil macht uns noch flexibler – nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch in Hochleistungsphasen. Direkt davon profitieren eben auch die Kunden.

Sie blicken auf langjährige Erfahrungen in der Personaldienstleistung zurück. Was hat sich Ihrer Meinung nach innerhalb der letzten fünf Jahre verändert?

Die Personaldienstleistung ist in den vergangenen Jahren sehr kompliziert geworden. Dies liegt zum einen an den zahlreichen Tarifverträgen, die für unsere Branche parallel gelten, und zum anderen an den Vorgaben, die das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz mit der Novelle 2017 bestimmte. Hier sind insbesondere die Schlagworte Konkretisierung, Equal Pay und Höchstüberlassungsdauer zu nennen, die zu einem erheblichen Mehraufwand für die Verwaltung sorgen. So entstanden zahlreiche Hürden, über die die Verleiher stolpern können, z.B. wenn die Fristenüberwachung nicht akkurat erfolgt.

Bei zahlreichen Verstößen im Bereich der Konkretisierung, der Entlohnung und der Überlassungsdauer nimmt der Gesetzgeber die Entleiher in Mithaftung. Deshalb muss ein Unternehmen, das Zeitarbeit einsetzt, heute mehr als früher die Dienstleister in die Pflicht nehmen und regelmäßig prüfen.

Hinzu kommt, dass sich diese Stolperfallen aber nicht mehr nur für den Verleiher auswirken, sondern in vielen Fällen auch für die Entleiher. Bei zahlreichen Verstößen im Bereich der Konkretisierung, der Entlohnung und der Überlassungsdauer nimmt der Gesetzgeber die Entleiher in Mithaftung. Deshalb muss ein Unternehmen, das Zeitarbeit einsetzt, heute mehr als früher die Dienstleister in die Pflicht nehmen und regelmäßig prüfen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist wichtig, aber eine regelmäßige Kontrolle, ob die Prozesse in der Überlassung rechtssicher funktionieren, ist besser.

Neben der klassischen Zeitarbeit und Personalvermittlung bieten Sie in Ihrem Unternehmen auch ergänzende Serviceangebote wie zum Beispiel das Master Vendor (MV) und Managed Service Provider (MSP) Modell an. Wie funktionieren diese Modelle und worin liegen die größten Vorteile für die Kundenunternehmen?

Gemeinsam ist beiden Modellen, dass sie für Unternehmen hilfreich sind, die mehrere Personaldienstleister gleichzeitig verpflichten, um ihren Personalbedarf zu decken. Master Vendor und Managed Service Provider sorgen dafür, dass die gesammelte Rekrutierungskraft der Dienstleister genutzt wird, um die Personalbedarfe des Kunden zu decken. Gleichzeitig sorgen sie für einheitliche Bestell- und Besetzungsprozesse und liefern dem Unternehmen relevante Kennzahlen zur Performance der einzelnen Dienstleister. Auch die Überwachung der AÜG-Fristen, Prozesskontrolle und rechtliche Prüfungen gehören zum Aufgabenspektrum.

Master Vendor (MV) und Managed Service Provider (MSP) sorgen dafür, dass die gesammelte Rekrutierungskraft der Dienstleister genutzt wird, um die Personalbedarfe des Kunden zu decken. Gleichzeitig sorgen sie für einheitliche Bestell- und Besetzungsprozesse und liefern dem Unternehmen relevante Kennzahlen zur Performance der einzelnen Dienstleister.

Beim Master Vendor Modell (MV) wird einer der Dienstleister zum Hauptlieferanten bestellt und mit verschiedenen Vollmachten ausgestattet. Über diesen Hauptlieferanten laufen dann alle Personalabrufe, denn er fungiert als zentraler Ansprechpartner. Das heißt: Das benötigte Personal stammt vorwiegend aus seinem eigenen Mitarbeiterpool. Reicht dieser nicht aus, werden weitere Personaldienstleister als sogenannte Co-Lieferanten eingebunden, um gemeinsam den Bedarf decken zu können.

Ein Managed Service Provider (MSP) ist dagegen mit dem Management der Lieferanten befasst und stellt selbst kein Personal. Er ist lediglich dem Auftraggeber verpflichtet und gibt die Personalanfragen in dessen Interesse ohne Verzögerung weiter an alle Lieferanten. Diese Neutralität gegenüber den Lieferanten zieht sich durch die gesamte Prozesskette hindurch und ist der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Modellen MV und MSP.

Der Zeitarbeitsbranche wird sehr häufig Nachholbedarf im Bereich der Digitalisierung unterstellt. Und tatsächlich sind gerade digitale, end-to-end ausgerichtete Vendor Management Systeme (VMS) zur Einbindung der Kundenunternehmen bei uns in Deutschland noch nicht sehr verbreitet. Sie haben erst kürzlich ein VMS eingeführt. Welche Vorteile haben Sie davon überzeugt?

Die zwei großen Vorteile eines VMS sind die Performanceüberwachung anhand von Kennzahlen und die Gewährleistung der Rechtssicherheit durch obligatorische Prozessschritte. Ein umsichtiger Managed Service Provider definiert zusammen mit dem Auftraggeber die relevanten Kennzahlen, an denen die Dienstleister gemessen werden sollen.

Diese werden dann im VMS kontinuierlich erfasst und idealerweise in einem Dashboard übersichtlich dargestellt. Schlechte oder wechselhafte Dienstleistungsqualität fällt dadurch sofort auf und es kann unmittelbar reagiert werden.

Fast noch wichtiger ist aber, dass im VMS Prozessschritte definiert werden, die dem Kunden garantieren, dass alle Prozesse in der Arbeitnehmerüberlassung und Vermittlung rechtssicher ablaufen.

Ein VMS muss so flexibel gestaltet sein, dass es dynamische Veränderungen mitmacht, ohne Bugs zu generieren oder an Verlässlichkeit einzubüßen.

Das beginnt bei den Vertragsunterschriften und Konkretisierungsdetails, wenn es um die Überlassung eines Mitarbeiters geht. Es beinhaltet ein sauberes Talentmanagement, welches sicherstellt, dass der auf einer bestimmten Position eingesetzte Mitarbeiter auch über die notwendigen Kenntnisse, Zeugnisse, Unterweisungen und G-Untersuchungen verfügt. Und es schlägt auch Alarm, wenn bei einem Mitarbeitenden die Gefahr auftaucht, dass die Fristen bezüglich Equal Pay oder Höchstüberlassungsdauer bald ausgereizt sind.

Bei Franz & Wach erwarten wir von einem VMS, dass es all diese Dinge nicht nur zuverlässig abbildet, sondern dass wir als Master Vendor oder Managed Service Provider auch weitgehend unabhängig vom Support auf die dynamischen Änderungen in einem Vertragsverhältnis reagieren können.

So ändern sich nicht nur Personalbedarfe, sondern z.B. auch Schichtsysteme, Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge, Lieferantenbeziehungen und last but not least Prozesse. Ein VMS muss daher so flexibel gestaltet sein, dass es diese dynamischen Veränderungen mitmacht, ohne Bugs zu generieren oder an Verlässlichkeit einzubüßen.

Wir leben im Hier und Jetzt, aber die Zukunft steht vor der Tür. Mit welchen drei Begriffen würden Sie die „Zeitarbeit von Morgen“ beschreiben?

Professionell, anpassungsfähig und – ja, leider auch – bürokratiebelastet.

Zur Person

Andreas Nusko ist seit Juni 2015 Mitglied der Geschäftsführung der Franz & Wach Personalservice GmbH und wurde im Januar 2016 zum alleinigen Geschäftsführer ernannt.

Den Grundstein für seine Karriere im Unternehmen legte der diplomierte Betriebswirt 2004 mit dem Eintritt als Personaldisponent. Danach folgten Stationen als Filialleiter in Bad Mergentheim, die Übernahme von zentralen Aufgaben wie z.B. Revision und Operations Management und später dann die Bestellung als Prokurist.

Über Franz und Wach

Franz+Wach_Personaldienstleistung
Die Franz & Wach Personalservice GmbH mit Sitz in Crailsheim, Baden-Württemberg, gehört zu den 30 größten Anbietern für Personaldienstleistung in Deutschland. Kerngeschäft des Unternehmens sind die Arbeitnehmerüberlassung und Personalvermittlung.

Ergänzend hierzu betreut Franz & Wach mehrere internationale Konzerne als Master Vendor. Die Dienstleistung MSP wurde in eine unabhängige Schwestergesellschaft, die F & W Managed Services GmbH, ausgegliedert.

Als Serviceführer stehen der Kundennutzen und die Mitarbeiterentwicklung im Mittelpunkt. Klare Kommunikation, kluges Recruitment und kompetente Beratung wird als Alleinstellungsmerkmal gesehen.

Franz & Wach wurde mehrfach ausgezeichnet als hervorragender Arbeitgeber durch das Top Employers Institute, das Magazin Focus und Leading Employers Germany. 2018 erhielt das Unternehmen für sein innovatives, auf Vertrauen basierendes Führungsmodell den Lünendonk B2B-Service-Award.

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